Eine Gesellschaft der vielen Kulturen

Es gehört zum Alltag demokratischer, pluraler Gesellschaften, daß Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammen leben. Längst sind Buntheit und Vielfalt moderner Gesellschaften zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Verfassungen der westlichen Demokratien bejahen ausdrücklich diese Offenheit und Freiheit.

Während die Akzeptanz fremder Kulturen im alltäglichen Miteinander stetig größer wird, ergeben sich hieraus immer weitreichendere Fragen für die Politik. Viele Familien, die vor Jahrzehnten als "Gastarbeiter" nach Deutschland kamen, leben heute in der zweiten und dritten Generation hier. Ihre jungen Generationen sind in Deutschland geboren und aufgewachsen und sehen hier ihre Heimat, ohne die eigene Kultur und Religion deshalb zu verleugnen. Wie aber kann ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung im politischen Rahmen einer Gesellschaft gelingen?

Religionen und Demokratie

Seit dem 11. September 2001 wird verstärkt die Frage diskutiert, ob die Demokratie mit der islamischen Religion vereinbar ist. Nicht nur die islamischen Staaten unterscheiden sich in ihren Strukturen von den westlichen Demokratien. Auch viele Muslime stehen dem pluralen, demokratischen, säkularen Staat mit Skepsis und Vorbehalten gegenüber. Viele können die Demokratie westlicher Prägung zwar als ihren Lebensraum akzeptieren, favorisieren aber weiterhin die Idee eines islamischen Staates, in dem Koran und Scharia Maßstäbe für Recht und Politik sind.

Und nicht nur Muslimen stellt sich die Frage, ob sie ohne Selbstwiderspruch die pluralen und religiös neutralen Grundsätze westlicher Demokratien anerkennen können...

Politische Bildung und interreligiöser Diskurs

Die Auseinandersetzung mit der modernen interkulturellen Gesellschaft gehören seit langem zum Katalog außerschulischer politischer Bildung. In der Vergangenheit wurden zu Fragen des alltäglichen Miteinanders der Menschen, zum Abbau von Vorurteilen und zur Wahrnehmung anderer Kulturen vielfältige Ansätze und Bildungskonzepte entwickelt. Die grundlegende Frage aber ist unbeantwortet geblieben, inwieweit die den Religionen und Kulturen zugrundeliegenden Werte mit denen der Demokratie vereinbar sind.

Viel ist seit dem 11. September 2001 vom interreligiösen Dialog zu hören. So wichtig es ist, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander besser wahrzunehmen: Ist es nicht auch notwendig, einen interreligiösen und interkulturellen Diskurs zu führen - zu fragen, ob die politischen Ideen des Islams und anderer Religionen mit der Demokratie vereinbar sind – aber auch ihre Anfragen an die Formen, Werte und politische Kultur der westlichen Demokratien ernst zu nehmen.

Das Projekt Demokratie, Kulturen und Religionen geht deshalb von der Frage aus:

Wie können Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen im pluralen, demokratischen Rechtsstaat zusammenleben?

Um dies zu beantworten, befassen wir uns

mit den Werten und Prinzipien unserer westlichen Demokratien,
mit der Rolle von Religionen in Staat und Gesellschaft,
mit den politischen und gesellschaftlich relevanten Ideen und Prinzipien in Religionen, insbesondere im Islam,

mit Formen des interkulturellen Zusammenlebens.

Das Projekt "Demokratie, Kulturen und Religionen"

Drei bundesweit tätige Trägergruppen – die Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke, die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung und der Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN – führen unter Beteiligung von 16 ihrer Mitgliedseinrichtungen von Juli 2002 bis Dezember 2004 ein Projekt durch mit dem Ziel, zur Qualifizierung politischer Bildung angesichts des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen in der Demokratie beizutragen.

Um diese Aufgabe zu leisten, werden

bereits im Themenfeld bestehenden Veranstaltungskonzepte gesichtet und ausgewertet,
die theoretischen Grundlagen der Projektthematik im Dialog mit den Referenzwissenschaften erarbeitet,
auf dieser Basis bestehende Veranstaltungskonzepte überarbeitet sowie neue entwickelt, erprobt und evaluiert,
didaktische Materialien erstellt und gesichert,
die Ergebnisse in Form allgemein zugänglicher Publikationen der Öffentlichkeit bekannt gemacht, sowie

die Arbeitsergebnisse in die weitere bundesweite Bildungsarbeit der beteiligten Trägergruppen implementiert.

Die beteiligten Träger führen während der Projektlaufzeit zahlreiche Veranstaltungen der außerschulischen politischen Bildung durch. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf jugendlichen Zielgruppen, die aufgrund ihrer Lebenssituation in besonderer Weise von der Schwerpunktthematik betroffen sind. Interessierte Gruppen oder Einzelpersonen können sich direkt an die beteiligten Bildungsinstitutionen wenden.

 


entimon Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms
"Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus"
 

© DeKuRel 2003

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