10.09.2002

Beitrag von Bernhard Sutor: Der Wertbegriff

(Bernhard Sutor, Professor emeritus an der Katholischen Universität Eichstätt, Lehrstuhl für Didaktik der Politischen Bildung und Sozialkunde an der Geschichts- und Gesellschaftswiss. Fakultät, Lehrstuhls für die Christlichen Soziallehre)

Der Wertbegriff:

philosophiegeschichtliche Herleitung (von der Tradition her deckt der W. alle Güter ab; materielle und geistige Werte bilden einen Zusammenhang; alles Seiende, das erstrebenswert ist, kann Wert annehmen)     
Unterscheidung des Wertbegriffs in drei Dimensionen: 1.Prinzipien (Leitideen), 2.Regeln (Normen) und Institutionen sowie 3.Einstellungen (Verhaltensweisen) und Tugenden
Kulturelle Festlegung und damit auch Wandelbarkeit
Demokratie als Ausdrucksform und Voraussetzung von Werten

 

Gemeinwohl
Solidarität
Subsidiarität
Ziele
Interessen
Friede
Freiheit
Gerechtigkeit
policy - polity - politics
Mittel

Politische Ordnung
Gesetze/Institutionen
(gemäß Solidarität/Subsidiarität)

Politische Beeinflussung
Soziale Struktur nach Regeln der Gerechtigkeit

Disposition von Machtpotential
Nach Regeln der Gegenseitigkeit

Handeln

Politische Rationalität
Situationsorientierung
Interessenwahrnehmung
Konflikthandeln

Machtdisposition
Verhinderung von Gewalt

Tugenden pol. Rationalität Christliche Tugenden
Klugheit
Gerechtigkeit
Tapferkeit
Maß
Glaube
Liebe
Hoffnung

 

der Begriff der Gerechtigkeit ist in allen drei Dimensionen vertreten    
das Aufgabenfeld der PB umfasst die Behandlung, Vermittlung oder Einübung aller drei Dimensionen

Begründungsansätze:

drei mögliche Letzt-Begründungen: eine traditionell-religiöse (Gottebenbildlichkeit), eine vernunftrechtliche (sittliche Selbstbestimmungsfähigkeit / Kant) und eine diskursethische (Menschen als miteinander kommunizierende Wesen / Habermas)
da wir unsere Gemeinschaften nicht auf Letzt-Begründungen gründen können, einigen wir uns auf vorletzte Begründungen / Werte
Frage nach dem Verhältnis der konkurrierenden Begründungszusammenhänge: Gespräch über die Jahrhunderte hinweg
Politische BildnerInnen als „Herzensdemokraten“ (Kombination aus emotionaler Wertschätzung und rationaler Begründung)

Verhältnis Person/Gesellschaft – Politik/Staat:

Integration als ständige Aufgabe
Frage nach der Vereinbarkeit von der Autonomie des Individuums mit der Verbindlichkeit der gemeinsamen Ordnung; Regelkonsens als wichtige Grundlage (je mehr er gegeben ist, desto weniger notwendig ist der Wertekonsens)
staatlich festgelegte Pflichten nur da, wo erforderlich und vom Gemeinwohl her begründbar
je weniger staatliche Politik Gewissensfragen tangiert, desto besser funktioniert das Gemeinwesen (daher sollten politische Fragen nicht zu rasch zu Gewissensfragen gemacht werden)

 

Beiträge von Bernhard Sutor zu diesem Themenfeld:

SUTOR, Bernhard: Zwischen moralischer Gesinnung und politischer Urteilskraft – Ethik als Dimension politischer Bildung.
In: Breit, Gotthard / Schiele, Siegfried: Werte in der politischen Bildung, In: Landeszentrale für politsche Bildung Baden-Württemberg, Didaktische Reihe, Band 22, Schwalbach 2000.
(Im Internet als Download unter www.lpb.bwue.de/publikat/werte/sutor.htm)

SUTOR, Bernhard: Kleine politische Ethik.
In: Schriftenreihe Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 341, Bonn 1997.

 


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Gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms
"Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus,
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