02.12.2002

Vortrag Heiner Bielefeldt: Religion und säkularer Rechtsstaat

1. Säkularität des Rechtsstaats

der Begriff der S. und seine kulturkämpferische Geschichte / Funktion
(bis heute, s. Befestigung der Grenzen Europas)
verfassungsrechtliche Debatte: Prinzip der respektvollen Nicht-Identifikation mit einer bestimmten Religion; weltanschauliche Neutralität als Wert; europaweit anerkanntes Prinzip mit unterschiedl. Ausgestaltung
Differenz zum weltanschaulichen Säkularismus
Öffentlichwirksamkeit der Religionen durch S. nicht eingeschränkt; Ablehnung der begrifflichen Trennung von Religion und Politik (hätte entweder ein staatliches Monopol auf Politik oder die Privatisierung der Religion zur Folge); Religionsfreiheit umfasst die gesellschaftliche Präsenz explizit

2. Ist der säkulare Rechtsstaat eine christliche Errungenschaft?

Huntington-These
Christliche Widerstände gegen den säkularen Rechtsstaat
Anerkennung des säkularen Rechtsstaats
Vereinnahmung; jegliche Vereinnahmung widerspricht dem Prinzip der respektvollen Nicht-Identifikation; historische Sichtweise setzt Denkoptionen frei; Aufarbeitung als Chance für den interreligiösen Dialog

3. Muslime im säkularen Rechtsstaat

Es existiert eine Vielstimmigkeit, die nur idealtypisch differenziert werden kann:

1.) Distanzierung
(S. als Atheismus oder christliche Lösung für christliches System);

2.) faktische Akzeptanz
(auf der Grundlage der Scharia; partieller Dispens von der Scharia durch die Scharia; Bekenntnis zu GG und Scharia; Islamcharta des ZMD als Versuch der Geschäftsgrundlage einer Koexistenz;

3.) prinzipielle Akzeptanz
(vielfache Akzeptanz durch das Prinzip der Religionsfreiheit, Selbstorganisierung im deutschen Vereinsrecht)

 

[vgl. beispielsweise Bielefeldt, Heiner: Zwischen laizistischem Kulturkampf und religiösem Integralismus: Der säkulare Rechts-staat in der modernen Gesellschaft, in: Bielefeldt / Heitmeyer (Hg.): Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus, Frankfurt/M. 1998; oder Bielefeldt, Heiner: Muslime im säkularen Rechtsstaat – vom Recht der Muslime zur Mitgestaltung der Gesellschaft, in: Hartmann / Krannich (Hg.): Muslime im säkularen Rechtsstaat, Frankfurt 2001.]

 

 


entimon Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms
"Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus"
 

© DeKuRel 2003

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